Neues vom Gesundheitsstandort

Es geschah... 1974

Wir feiern Jubiläum - anders als geplant!

1974

Richard Nixon fiel durch Watergate, Willy Brandt durch die Guillaume-Affäre. Helmut Schmidt wurde Bundeskanzler und Deutschland Fußball-Weltmeister. Der Zypernkrieg begann, die Ölkrise dauerte an und 18-Jährige waren nun volljährig!

Bad Schönborn kämpfte mit Müllabfuhren, Baugebieten und der Flurbereinigung. Zu lesen war, dass zur Rattenbekämpfung nur zugelassene Mitteln erlaubt waren und, dass eine Ablichtung vom „leistungsfähigen Kopiergerät“ im Rathaus Langenbrücken (LA) 30 Pfennig kostete. Die Hauptsatzung wurde angepasst, um 22 Gemeinderäte zu wählen, da die Bevölkerung von 7.310 (1965) auf 8.189 (1972) wuchs.

Bei der Post gab es Rente am 1. des Monats von 9 bis 11 Uhr und beim Sozialamt Butter-Gutscheinkarten und Fernsprechhauptanschlußgebührenermäßigung für Sozialhilfeempfänger. Da „die Kenntnis über den Härtegrad des Wassers für Hausfrauen von besonderer Bedeutung“ war schrieb man, dass das Wasser in LA mit 16,9 - 20,5 °dGH „hart bis ziemlich hart“ war und schloss LA an die Wasserversorgung der Hohberggruppe an. Hausklärgruben wurden zum 01.09. stillgelegt. Das Thermal-Sole-Bewegungsbad feierte Richtfest und suchte einen Namen.

Aussenbecken der Sigeltherme Anfang der 70er Jahre
1974 badeten die Gäste in der Sigeltherme schon im Freien - und das in schönster Ortsrandlage! Das 10 x 20 m große Außenbecken wurde 1973 seiner Bestimmung übergeben. Die für 1974 erwartete Eröffnung Thermal-Sole-Bewegungsbades in Mingolsheim ließ auf sich warten. (Foto: Sigelklinik/Gemeindearchiv)

Den rekultivierten Reimoldsee gab man für Fischzucht und Sportfischerei frei und die 1965 begonnene Partnerschaft mit Cirey-sur-Vezouze (F) lebte in LA mit einem Besuch wieder auf. Wegen Personalmangel blieb der Eichendorffstraßen-Bahnübergang oft zu. Hallenbadeintritt in Mingolsheim (MI) kostete 1,30 DM inkl. Druckknopfhaartrocknernutzung! Je 150 Senioren besuchten die beiden Gemeinde-Weihnachtsaltennachmittage. „Ben Hur“ lief im Kurfilmtheater und die Modeschau am Jahrmarktswochenende war „Spitze“!

Der Ortschaftsrat LA feilte am Lehrschwimmbecken, der Schiefergrube und der Minigolfanlage. In MI zog die Bibliothek in die „alte Kinderschule“, der Maibaumumzug ging von der St. Rochus Klinik zur Festhalle und der Martinsumzug mit echtem Reiter durch das Dichterviertel, wo das Badenwerk alle Straßenlampen ausgeschaltet hatte.

Der Angel-Club Bad Schönborn war der erste neue Verein mit Mitgliedern beider Ortsteile, die Ortsverbände der Freien Wähler fusionierten und der Verein für Deutsche Schäferhunde e.V. OG Bad Mingolsheim hieß nun Verein für Deutsche Schäferhunde e.V. OG Bad Schönborn–Mingolsheim. Der TSV turnte und spielte Fuß-, Damenfuß-, Jugendfuß-, Seniorenfuß- und Faustball sowie Tischtennis. Der TUS bot Fahrten zu Nationalelfspielen für 25,- DM an.

Der Süddt. Rundfunk nahm „Sang und Klang aus Stadt und Land“ hier auf. 172 Konkordia-Mitglieder reisten nach Kolbnitz (Kärnten) – ein Zug mit Sonderwagen hielt dafür eigens in MI. Der Gewerbeverein bestand 70 Jahre, der Box-Club 20 Jahre und feierte Nationalstaffelboxer Roland Holzmann. Das Kraichgauheim und die Vogel- und Naturfreunde wurden 10 Jahre alt, die Feuerwehr in LA 110 und konnte nun durch Funk „unnötige Aufregung der Bevölkerung sowie Belästigung durch die Sirenen“ vermeiden.

Schulen sammelten 6.000 DM für das Sahel-Dürregebiet. Die Sonderschule feierte Richtfest mit 129 Schülern und 10 Lehrern, verteilt in Schulgebäuden und dem Kindergarten St. Raphael. Wegen Platzmangel nahm dieser nur noch Kinder aus MI auf. Das Wassergassenfest mit „Bürgermeister“ Anton Lingenfelser ergab einen hohen Erlös für den Kindergarten.
Das Altenwerk LA fuhr zum Soldatenfriedhof in Bad Niederbronn und das Rochusfest fand wegen der Ferien am 1.9. statt. Im ökumenischen Sinn gab es eine gemeinsame Sitzung der kath. Pfarrgemeinde- und ev. Kirchenräte.

Aus der Werbung für einen Einkehrnachmittag für Frauen und Mütter: „Den Ehemännern und Kindern, die an diesem Sonntagnachmittag allein bleiben müssen, sei zum Trost gesagt, dass sie selbst den größten Gewinn davon haben, wenn die Frau und Mutter geistig lebendig und aufgeschlossen bleibt und sich um Weiterbildung bemüht.“

Juwelier Brombacher und Optiker Billmaier eröffneten ihre Geschäfte, die Tuchfabrik Steinbach suchte „jüngere weibliche deutsche Arbeitskräfte“ und die Reinigung eines Popelinemantels kostete 7,- DM.

Marktplatz Mingolsheim 1974 Rathaus, Kriegerdenkmal, Telefonzelle
So sah der Marktplatz 1974 in Mingolsheim aus. Das Ehrendenkmal steht heute auf dem Mingolsheimer Friedhof, die Häuser rechts wichen später der Mingolsheimer Filiale der Sparkasse und der Verkehr fuhr ungehindert von der Mone- in die Friedrichstraße, vorbei an Rathaus und Telefonzelle. (Foto: Gemeindearchiv)

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