Naturdenkmal Posidonienschiefergrube

Schiefergrube Langenbrücken
Zeuterner Straße
76669 Bad Schönborn
Bis 1926 wurde in Langenbrücken der dunkel gefärbte "Posidonien-Schiefer" durch die Portland-Zementwerke-Heidelberg abgebaut. Ein kleiner Teil des ehemaligen Steinbruchs blieb bis heute noch erhalten und ist für Jedermann ersichtlich, aber leider bis zum heutigen Zeitpunkt (2017) aufgrund von Steinschlaggefahr nicht mehr zugänglich. Aufgeschlossen sind hier Teilbereiche des Unteren beziehungsweise Schwarzen Juras (Lias ε).

Gesteine des Juras sind lediglich hier in der sogenannten "Langenbrückener Senke" enthalten. Es handelt sich hierbei um feinkörnige dunkle Tone und bräunlich gefärbte, schieferartige Gesteinsplatten. Weitere Jurassische Ablagerungen können stellenweise noch zwischen Malsch - Mühlhausen - Östringen - Zeutern - Ubstadt angetroffen werden.

Durch Pflege und Unterschutzstellung (Naturdenkmal) ist dieses geologische Fenster der Nachwelt erhalten geblieben. Eine vor Ort installierte Hinweistafel informiert den Besucher ausführlich über die geologischen Hintergründe sowie die Geschichte des Steinbruchs.

Überraschendes und Beeindruckendes aus der Tiefe

Jürgen Alberti hielt den ersten ortsbezogenen Vortrag im Jubiläumsjahr Bad Schönborn

Der gut besuchte Vortrag im besonderen Ambiente des historischen Kursaals Sigel hatte den ungewöhnlichen Titel „Wiedervorlage nach sechs Monaten... Zur Geschichte und Geologie des geologischen Denkmals Posidonienschiefergrube Langenbrücken“. Tatsächlich bezog sich die „Wiedervorlage“ auf einen Mängelbericht aus dem Jahr 1893, der auf die ungenügenden Zustände in der „Grube“ aufmerksam machen. Denn seit 1878 wurde mitten in Langenbrücken Schiefer zur Zementherstellung abgebaut.
 
Wie es dazu kam erläuterte Jürgen Alberti sehr anschaulich – beginnend mit einer geologischen Orientierung zu den Verwerfungen der Oberrheinischen Tiefebene und des Kraichgaus. In diesem „Grenzgebiet“ liegt Langenbrücken, beziehungsweise die sogenannte „Langenbrücker Senke“ und genau dort gibt es den einzigen Aufschluss des Posidonienschiefers aus der Jura „wo man mühelos dran kommt“, wie Jürgen Alberti erklärte. Er zeigte Bilder von Fossilienfunden aus der Grube – zum Beispiel die namensgebende Muschel „Posidonia“ - und stellte Theorien zur Entstehung der vielen Fossilien vor. Auch historische Dokumente und Karten belegten die bewegte Geschichte der Grube und des inzwischen nicht mehr vorhandenen Stollen, durch den die Loren mit „Ölschiefer“ zum Bahnhof transportiert wurden.

Gespannte Zuhörer beim Vortrag von Jürgen Alberti im Sigel-Saal
Jürgen Alberti eröffnete die Reihe der ortshistorischen Vorträge anlässlich des 750. Jubiläums von Langenbrücken mit einem Vortrag über die Posidonienschiefergrube.


Besonders interessant war eine fotografische Aufzählung der Tier- und Pflanzenarten, die sich in dem einzigartigen Naturdenkmal heimisch fühlen. Über 50 Vogelarten, Insekten, Amphibien, Reptilien und kleinere Säugetiere kann der aufmerksame Besucher dort sehen.
 
Der pensionierte Realschullehrer plädierte für den behutsamen Umgang mit der Posidonienschiefergrube, die ab 1926 über Jahrzehnte lang als Müllkippe benutzt wurde, ehe sie endlich 1979 zum Denkmal erklärt wurde. Das einzigartige Kleinod in Langenbrücken suche seines Gleichen und müsse erhalten werden.

Als Dank für den interessanten Vortrag überreichte Bürgermeister Klaus Detlev Huge dem Referenten die örtliche Schokospezialität: die hauchdünnen „Langenbrücker Schiefer“ Schokoladentäfelchen. Da Jürgen Alberti auf sein Honorar verzichtete, wurden Spenden für die Restaurierung der Langenbrückener Brückenheiligen gesammelt. Dank ging auch an Hausherrin Susanne Haas-Sigel für die zur Verfügungstellung des schönen Vortragortes.

(ris)