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Erinnern, hinschauen, erkennen, verhindern


Vor zehn Jahren wurde mit dem Aktionsbündnis „Zeichen setzen“ von Kommune, Kirchen, Schulen und Vereinen eine Initiative ins Leben gerufen, um unter anderem aktiv dem Vergessen der Holocaust-Opfer entgegenzuwirken. Auf einem „Weg der Erinnerung“ wird seitdem jedes Jahr am internationalen Gedenktag die Vernichtung von Menschen, auch aus Bad Schönborn, ins Gedächtnis gerufen.

In diesem Jahr wurde der Stationenweg gemeinsam mit den Akteuren des Projekts „Lernort Kislau“ gestaltet. Zwischen jüdischem Friedhof und der seit neun Jahren dort wachsenden „Allee der Gerechtigkeit“ stellte Bürgermeister Klaus Detlev Huge (SPD) die Fragen, „ob wir heute bei uns besser gefeit sind gegen Hass und Ausgrenzung“ und „ob wir Zivilcourage und Mitmenschlichkeit leben würden, wenn Unrecht meint Recht zu werden“. Die „Opfer des deutschen Rassenwahns“ seien „Mahnung und Auftrag (…), die mehr als sechs Millionen Einzelschicksale nicht zu vergessen“ und „und unseren freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat aufrecht und mit Zivilcourage zu schützen und zu bewahren“.

Kranzniederlegung durch Bürgermeister Klaus Detlev Huge (links) und SPD-Landtagsabgeordneten Daniel Born (rechts) an der Friedhofsmauer des jüdischen Friedhofs Mingolsheim

Im Anschluss an die Kranzniederlegung an der Friedhofsmauer gemeinsam mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Daniel Born, folgte als nächste Station die ehemalige Synagoge in der Friedrichstraße. Hier verband Pfarrerin Luise Helm mit der Frage „wo fängt Unrecht an?“ die Hoffnung, dass das Gebäude, „das als Synagoge kaum noch erkennbar ist“, als Scheune und heute noch als Lagerraum genutzt werde, „vielleicht irgendwann mal wieder ein Bethaus oder eine Gedenkstätte wird“.

An der dritten Station, der Ludwig-Marum-Säule vor dem Schloss Kislau, sprach Susanne Matthias, stellvertretende Vorsitzende der SPD Bad Schönborn, über das Schicksal des Sozialdemokraten Marum. Er wurde 1933 nach Kislau gebracht, das damals als frühes Konzentrationslager genutzt wurde, wo er ein Jahr später „von NS-Schergen ermordet“ wurde. Susanne Matthias wies auf den „Lernort Kislau“ hin, der hier auf dem Gelände entstehen soll und „Schnittstelle zwischen regionaler Geschichte und aktueller gesellschaftlicher Befindlichkeit mit emotionalen Anknüpfpunkten“ sein wird. „Hier kann aus Geschichte Demokratie gelernt werden und der Gleichgültigkeitstrend überwunden werden“, schloss sie. Andrea Hoffend und Luisa Lehnen vom Projekt-Team Lernort Kislau betonten die Bedeutung des Projektes, dessen Realisierung durch die zugesagte Landesförderung näher rückt.

Viele Menschen stehen an der Ludwig-Marum-Säule vor dem Schloss Kislau und halten leuchtende Kerzen in den Händen.

Begleitet wurden ihre Ansprachen in der anbrechenden Dämmerung mit der Beteiligung an der bundesweiten Aktion „Lichter gegen Dunkelheit mit Kerzenschein in den Händen der Besucher.

Wie die Vermittlung von Demokratie- und Diktaturgeschichte griffig, persönlich und verständlich geschehen kann, wurde anhand des mobilen Geschichtslabors im Gemeindesaal der Gustav-Adolf-Kirche gezeigt. Mit acht Stationen werde die „Brücke zwischen gestern und heute“ zwischen den Geschehnissen damals und Entwicklungen in der Gegenwart gebildet, so Anja Schuller-Müller vom Projekt-Team.

Präsentation des mobilen Geschichtslabors ‚Wo fängt Unrecht an?‘ im Gemeindesaal der Gustav-Adolf-Kirche im Ortsteil Mingolsheim. Verschiedene Plakate sind zu erkennen.Präsentation des mobilen Geschichtslabors ‚Wo fängt Unrecht an?‘ im Gemeindesaal der Gustav-Adolf-Kirche im Ortsteil Mingolsheim

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Redakteur / Urheber
Mit freundlicher Genehmigung
Petra Steinmann-Plücker (psp)