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Bürgermeister Blog


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in beiden Aussegnungshallen auf den Friedhöfen fanden am Sonntag die Gedenkstunden zum Volkstrauertag statt. Ich habe in meiner Ansprache versucht, die Perspektive derer einzunehmen, die heute durch Krieg und Terror bedroht sind. Denn Krieg, Kriegstote, Terroranschläge: Das ist es nicht, was die letzten Monate im Mittelpunkt stand.

Aber Krieg, Bürgerkrieg und Terror machen auch in Zeiten der weltweiten Pandemie keine Pause: Afghanistan, Äthiopien, Mali, Syrien und Nigeria sind nur ein paar der Schauplätze, die ab und an in der Tagessschau auftauchen. Das erlaubt dann ein kurzes Blitzlicht auf Tote, Verletzte, Entführungen, traumatisierte Menschen, Kindersoldaten, Flüchtlingsströme. Kriegsfolgen, auf die wir – hoffentlich nicht nur am Volkstrauertag, ein Augenmerk richten. Aber ein Augenmerk auf die Welt um uns herum zu richten aus der Sicherheit, aus dem Wohlstand – in dem wir seit vielen Jahrzehnten leben dürfen, das ist für mich ein Auftrag des Volkstrauertages 2021.

Erinnern wir kurz die Bilder aus Kabul, wenn Menschen, die das westliche Lebensbild anstreben, von den Taliban verfolgt werden und verzweifelt versuchen, ein Flugzeug zu erreichen. Diese Menschen wollen nicht Opfer von Krieg und Terror werden. Aus deren Sicht ist es die Sicherheit des schlichten Überlebens, das Europa als Ziel so wichtig macht. Erinnern wir kurz den Bürgerkrieg in Äthiopien, der mit Hungersnot verbunden ist. Mit der Frage, habe ich morgen noch Reis oder Hirse, um meine Kinder und mich zu ernähren. Wer von dort zu uns schaut, der sieht uns nicht in Wohlstand leben. Nein – da ist es Luxus, in dem wir leben.

Dieser Perspektivwechsel ist mir wichtig, wenn wir den Opfern der Kriege der Vergangenheit und der Gegenwart gedenken. Wenn wir für einen Moment in das Leben derer schlüpfen, die eben nicht Opfer von Krieg, Hunger, Terror werden wollen. An den Maßstab des Alltags dort – Leben oder nicht Überleben – an Hunger, Bomben oder mit Minen verseuchte Felder und Wege. Daran will ich erinnern, wenn wir unsere kleinen Sorgen hier zu großem Gezeter hochstilisieren. Der Volkstrauertag 2021 soll ein Anstoß sein, das Maß wieder zu finden, welches manche Mitbürgerinnen und Mitbürger derzeit – so scheint es mir - verloren haben. Egoismus bestimmt das Denken und Handeln einer Minderheit.

Es ist für unseren demokratischen Rechtsstaat elementar, es ist die Essenz unseres Grundgesetzes, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Aber die Würde und die Freiheit haben ihre klare Grenze in der Würde des Anderen, den ich in meinem Tun und Handeln, oder Nicht-Tun und Unterlassen verletzte, beeinträchtige, einschränke.

Einerseits sind die Monate der Pandemie in unserem Land voller erfreulicher Zeichen des guten Miteinanders, der Solidarität, der Hilfe. Aber andererseits zeigt sich auch eine Erosion der Gesellschaft, ein Trend zum Egoismus, der mit Sorgen bereitet. Darüber ist zu sprechen, denn Krieg und Terror haben ihre Wurzeln oft in egoistischer Selbstüberhöhung von Staaten oder Religionen. Und der Anfang dafür wird gelegt bei Intoleranz und Überheblichkeit vieler Einzelner.

Lassen Sie uns gemeinsam eintreten für eine freiheitliche Demokratie, die Frieden im Innern und nach außen lebt, weil jedem bewusst ist, dass die eigene Freiheit an den Freiheitsrechten des Nächsten endet.

Mit herzlichen Grüßen aus dem Rathaus

Ihr
Klaus Detlev Huge
Bürgermeister

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Redakteur / Urheber
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Klaus Detlev Huge