Vom Sexkübel zum Thermarium

Ein Wendepunkt für Mingolsheim

Die Quellenbohrung der Thermal-Sole-Quelle Bad SchönbornMit der Entdeckung der Rochusquelle hatte Mingolsheim ab 1905 den ersten Aufschwung als Kurort erlebt. 1964 erfolgte offiziell die Verleihung des Titels „Bad“, den 1965 auch Langenbrücken erhielt. Bereits 1963 hatte Bürgermeister Josef Willhauck Kontakt zum Geologischen Landesamt aufgenommen, um die Erkundung weiterer Mineralwasservorkommen in Angriff zu nehmen. Es sollte für Langenbrücken und Mingolsheim, die 1971 zur Gesamtgemeinde Bad Schönborn vereinigt wurden, zum Segen werden, dass man mit Landesgeologen Kurt Sauer einen wahren Quellenexperten, der als „Quellenpapast“ in die Ortsgeschichte einging, zur Verfügung gestellt bekam. Mit seinem Namen sind in Bad Schönborn die Erschießung der Karl-Sigel-Quelle (1969), der zwei Jahre später die Einweihung des Sigel-Thermalbades folgte, sowie der Lambertus-Soletherme verbunden.

Es war am 20. April 1970, als man in Mingolsheim auf diese neue „Goldgrube“ stieß: In fast 636 Metern Tiefe fand sich eine 43 Grad heiße Thermalquelle.  Bald reiften unter Bürgermeister Walter Bender die Pläne für den Bau eines Thermalbads. Bis dahin wurde das Quellwasser, das durch den Überdruck mit drei Litern pro Sekunde ständig nachfloss, provisorisch in einem Holzbottich genutzt, den der in Quellennähe Schreinermeister Wilhelm Thome anfertigte.

Große Nachfrage nach den heißen Quellen


Der provisorische Badekübel Das Baden im ungewöhnlich heißen und gesunden Wasser lockte immer mehr Menschen an, tagsüber nutzten den Bottich Rheuma- und Kreislaufkranke, in den späten Abendstunden diente er auch  Jugendlichen aus der Umgebung als Zentrum ihrer Zusammenkünfte, die dort regelrechte „Orgien“ feierten, wie es im Dorfe hieß – und das wenige Meter von Friedhof und katholischer Kirche entfernt.

Dadurch erregte der Bottich als „Sexkübel“ bald weit über Bad Schönborns Grenzen hinaus Aufmerksamkeit. So sollen gelegentlich anderntags an Grabkreuzen Schlüpfer sowie BHs an zertrampelten Gräbern gehangen haben. Alle Bemühungen, den Sexkübel trockenzulegen, scheiterten. Selbst der vom Rathaus entsandte Ordnungshüter kapitulierte vor zwei Dutzend ihn „einkreisender textilfreier Evas“, wie ein Chronist berichtete.

Gegen das frivole Wildbaden halfen nur bauliche Maßnahmen. 1973 ersetzte man den Kübel durch ein provisorisches Schwimmbad mit Zaun, das nachts nicht mehr zugänglich war. Ein Gutes jedoch hatte der Bottich gebracht: Starke Werbung, schließlich hatte der „Bad Schönborner Sexkübel“ deutschlandweit  Schlagzeilen gemacht. Und auch viele Schwarzbader von damals blieben dem Ort als zahlende Thermariums-Gäste treu.

GesundheitsBad im TherMarium

Badespass im Aussenbecken des Thermarium Bad SchoenbornDie Einweihung des Thermal-Sole Bewegungsbades „TherMarium“ erfolgte im Februar 1975. Mit einer Gesamtinvestition von rund 18 Millionen Mark verfügte Bad Schönborn nun über eines der größten und modernsten Thermalbäder in Deutschland. Tagesgäste kamen aus weiter Entfernung angereist.Bereits 1981 wurde die erste Erweiterung vorgenommen.

Heute verfügt das Thermarium über eine Gesamtwasserfläche von 1400 Quadratmetern sowie über eine Salzgrotte, Fitness- und Wellnesszentrum. Badetemperaturen von 31 bis 35 Grad Celsius helfen bei der Behandlung von Rheuma, Gicht, Ischias und Hautkrankheiten.


Modernes Kurerlebnis Bad Schönborn


Cardiobereich Blickt man zurück, so hat sich der Schwerpunkt eines Kuraufenthaltes seit Mitte des 20. Jahrhunderts gewandelt. „Omas Badekultur ist tot“, fasste der damalige Chefarzt von St. Rochus, Ludwig Handrich, diese Wandlung 1977 zusammen. Gemeint war, dass ein Kuraufenthalt nicht mehr nur der privilegierten Gesellschaftsschicht vorbehalten war, die - elegant das Heilwasserglas zwischen den Fingern balancierend - zwischen Konzerten und Teepartys auf Alleen flanierte. Die moderne Sozialgesetzgebung hatte Reha- und Kuraufenthalte für alle sozialen Schichten erschwinglich gemacht.

Der Aufschwung des Kurortes Bad Schönborn setzte sich durch die Ansiedlung mehrerer Kliniken fort. Sankt Rochus, Acura Sigelklinik, die Mikina sowie die zum Celenus-Verbund gehörenden Kliniken Gotthard Schettler und Sigmund Weil verfügen heute zusammen über 1000 Betten.

Durch den Umbau des Kurparks zum Sole Aktiv Park Bad Schönborn wurden die Kernkompetenzen Wasser und Gesundheit weiter gestärkt und Bad Schönborn als Klinik- und Gesundheitsstandort noch attraktiver gemacht.