Langenbrückener Wasser gegen Arthritis und Blindheit

Fürstbischof von Hutten gründete den ersten Kurbetrieb in Bad Schönborn


Eine Blinde konnte wieder sehen, ein Tauber hören, andere Patienten wurden von Arthritis, Asthma, Fieber, Krätze und Skorbut befreit. Und das alles nach dem Trinken von Langenbrückener Heilwasser oder dem Genuss eines Bades in dem mineralhaltigen Nass. So die Geschichten, die sich um die erste Blütezeit des Langenbrückener Kurbetriebs im 18. Jahrhundert ranken.

Das barocke Bischofsbad im Schloss Kislau


Es war vor genau 250 Jahren, nämlich 1766, als Fürstbischof Franz Christoph von Hutten in Langenbrücken ein erstes Schwefelbad errichtete. Der Fürstbischof, der seit 1743 Landesherr des Hochstifts Speyer war und seinen Wohnsitz im Schloss Kislau hatte, soll unter verschiedenen Krankheiten gelitten haben und hatte daher ein persönliches Interesse an einem Kurbad. Das Langenbrückener Heilwasser wurde bereits von den lokalen Bauern im 18. Jahrhundert als Trinkkur bei Fieber und verdorbenen Mägen angewendet sowie als Fußbad bei schmerzenden Gliedern.

Durch einen Besuch im Heilbad Zaisenhausen inspiriert, ließ er 1766 ein Badehaus mit neun separaten Badekammern erbauen –gemeinschaftliches Baden war damals noch unüblich – sowie ein Krughaus, aus dem man die Heilwasser-Krüge bezog, einen Trinksaal und Brunnenstuben. Im Trinksaal gab es 18 Stühle aus Nussbaumholz und vier Spieltische, an denen sich die Gäste die Zeit vertreiben konnten. Von Hutten wusste, wie wichtig ein ansprechendes Umfeld war, denn Kuraufenthalte waren für adelige Kreise  vor allem auch ein gesellschaftliches Erlebnis.

Großes Interessse am heilkräftigen Wasser

Gleichzeitig mit dem Ausbau des Kurbetriebs in Langenbrücken begann Fürstbischof von Hutten mit dem Einbau eines privaten Badeappartements im Schloss Kislau – das prächtige barocke Bischofsbad kann heute noch besichtigt werden. Der Bischof ließ sich das Heilwasser fässerweise zum Schloss bringen, außerdem bestand eine direkte Frischwasserleitung von Langenbrücken zum Schloss. Um den Kurbadbetrieb anzukurbeln, verfügte von Hutten, dass die Bäder und Trinkkuren im ersten Betriebsjahr kostenlos sein sollten. Die Rechnung ging auf. Schon im ersten Jahr musste Badmeister Johann Jakob Steiger wegen der starken Nachfrage sein Personal von zwei auf fünf Leute aufstocken.

Die Heilkraft des Wassers hatte sich rumgesprochen. Immerhin hatten auch der Bruchsaler Stadtphysicus und der Hofapotheker bei der Wasseruntersuchung festgestellt, dass der Mineraliengehalt „fürtrefflich zur Kurierung verschiedener inn- und äußerlicher Zustände“ sei. Die Stadt Bruchsal gab 1768 und 1769 zwei Schriften heraus, die das Langenbrückener Wasser als Mittel gegen Fäulnis und Schmerzen und zum Austrocknen von  Ausschlag anpriesen.

Die Quellen berichten, dass die Badegäste von einer Vielzahl von Leiden, von Gehbeschwerden, Schlaganfall über Augenleiden bis Geschlechtskrankheiten geheilt wurden. Schon ein Jahr nach Aufnahme des Kurbetriebs kamen 166 Gäste, manche sogar aus Frankfurt oder Paris, und  Fürstbischof von Hutten musste sich um Unterkünfte sowie Verpflegung kümmern. Zusätzlich zu den beiden Wirtschaften „zur Sonne“ und „zum Ochsen“ eröffnete ein weiterer Gastronom während der Kursaison eine Wirtschaft im Rathaus. Metzger aus Mingolsheim, Stettfeld und Zeutern wurden zur Fleischversorgung herangezogen. Unter den Gästen machten Beamte und Geistliche einen großen Anteil aus – insgesamt kamen mehr Männer als Frauen und nur wenige Kinder.

Neue Besitzer und Wirbel um den Kurbetrieb


Nach von Huttens Tod im Jahre 1770 zog sich sein Nachfolger Fürstbischof August von Limburg-Styrum langsam aus dem Projekt zurück, und die Gästezahlen wurden rückläufig. Der engagierte Badmeister Steiger, dessen Gehalt von den Gästezahlen abhing, und der sich das Geld für das Badehaus-Grundstück und den Heizkessel vom Hochstift Speyer geliehen hatte, kam aus seinen Schulden nicht mehr heraus und hatte so auch nicht die Mittel, um das Bad instandzuhalten. Spätestens mit seinem Tod 1778 kann von einem Kurbetrieb nicht mehr gesprochen werden. Das Badehaus wurde 1792 an den Händler Peter Bertera aus Mailand verkauft, der daraus eine Gastwirtschaft machte, der Trinksaal mit Kurbrunnen wurde 1796 als Baumaterial versteigert und abgebrochen.
 
1806 gab es kurzen Wirbel um den Kurbetrieb: Ein Johannes Natterer, der angeblich aus Karlsruhe stammte, wollte den unglaublichen Preis von 4000 Gulden für das Badehaus zahlen, das zu der Zeit als Wirtschaft „zum Adler“ fungierte. Die Gemeinde Langenbrücken stimmte dem Verkauf zu. Doch dann stellte sich Natterer als Betrüger heraus. Er zahlte nicht, und es wurde bekannt, dass er auch in Bruchsal einen Kaufvertrag nicht erfüllt hatte. Außerdem vermutete man, er sei identisch mit demjenigen, der zuvor einige Kronauer Familien betrogen hatte – und auch die junge Frau, mit der er zusammenlebte, war wohl nicht, wie behauptet, seine Tochter. Doch das Interesse am Bad war durch diesen Skandal wieder geweckt. Ein Dr. Michenfelder aus Zeutern ersteigerte das Badehaus 1808.

Nach dem Rheumabad zum Tanz und Spiel in den Kurpark - Kuren im 19. Jahrhundert