Gemeindenachricht

Bürgermeister Blog


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
 
ich bedanke mich herzlich bei den Besucherinnen und Besuchern der beiden kleinen Festakte, die wir am Volkstrauertag auf den Friedhöfen durchgeführt haben. Mir war es ein Anliegen auch in Coronazeiten diese Tradition nicht zu unterbrechen.
 
In meiner Ansprache habe ich an Lebensläufe erinnert, die 1900 geboren wurden:

Wenn du 14 Jahre alt bist, beginnt der 1. Weltkrieg und endet, wenn du 18 wirst. 22 Millionen Toten weltweit.
Für Männer bedeutet dieses Geburtsjahr, schon in jungen Jahren den Schrecken des Krieges erlebt zu haben. Wer gesund aus dem Krieg zurück kam, erlebte die weltweite Pandemie der Spanischen Grippe mit 50 Millionen Todesopfern.
Berufsfindung, Familiengründung – mitten in einer Wirtschaftskrise in Deutschland, die 1929 in der Weltwirtschaftskrise gipfelt. Die Folgen sind Inflation und Massen-Arbeitslosigkeit.
Wenn du 33 Jahre alt bist, gelangen die Nazis an die Macht. Im Holocaust werden 6 Millionen ermordet. Wenn du 39 bist, beginnt der 2. Weltkrieg und dauert an, bis du 45 bist. Er kostet 60 Millionen Menschen das Leben.
Auch da steht für die Männer Kriegsdienst an. Für die Frauen und Kinder Hunger und Not, Bomben, Zerstörung, Flucht und Vertreibung.
Wenn du 52 Jahre alt bist, beginnt der Koreakrieg. Wenn du 64 bist, beginnt der Vietnamkrieg, der endet, wenn du 75 wirst.
Ein Kind im Jahr 1985 dachte, dass Oma und Opa keine Ahnung haben, wie schwer die Schule heutzutage ist. Diese Großeltern haben mehrere Kriege überlebt.

 
Heute befinden wir uns mit allen Bequemlichkeiten der modernen Welt in einer neuen Pandemie. Die Menschen beklagen sich, weil sie ein paar Wochen nicht Essen oder ins Fußballstadion gehen dürfen.
Sie haben Strom, Handys, genug Essen, warmes Wasser und ein sicheres Dach über dem Kopf.
Sie demonstrieren gegen ein paar wenige Einschränkungen. Ja, es sind wenige Einschränkungen, wenn man einmal für einen kurzen Moment die Perspektive wechselt.
 
Die Älteren hier, die Eltern und Großeltern von Ihnen haben viel schwerere Zeiten überstanden und ihre Lebensfreude nicht verloren. Heute beklagen sich die Menschen, weil sie im Supermarkt Masken tragen sollen. Ein Perspektivwechsel kann Wunder wirken.
 
Sich erinnern, kann Wunder bewirken – Erinnern an Menschen, die Opfer von Krieg und Verfolgung waren, Opfer von wirklicher, von realer Not. Deshalb halte ich gerne an diesem Gedenktag fest.
Damit wir nicht vergessen, was Ausgrenzung und Hass auslösen, damit wir nicht vergessen, dass es wirkliche Opfer von Krieg und Gewalt gab und gibt.
 
Gerade in dieser Zeit sind wir – ist die Gesellschaft, ist jeder und jede Einzelne gefordert, in seinem Alltag zum Schutz des Lebens seiner Nächsten, seiner Kollegen und Freunde beizutragen. Damit wir eben nicht in Zukunft an die Opfer der Corona-Pandemie als die Opfer von Egoismus und Dummheit einiger weniger gedenken müssen.
 
Der Volkstrauertag muss eine Mahnung zum Gedenken im Rückblick und zur Mahnung für unser Zusammenleben heute und morgen sein und bleiben. Eine Mahnung für mehr Toleranz und Gemeinsinn – gerade in diesen Tagen.
 
Danke und Respekt an alle, die diese Haltung in ihrem Alltag heute leben.
 
Ihr 
Klaus Detlev Huge
Bürgermeister


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Redakteur / Urheber
Bürgermeister
Klaus Detlev Huge