Gemeindenachricht

„Sprecht echt miteinander!“


Auftakt Themenjahr Aktionsbündnis „Zeichen setzen“ und Gedenken an die NS-Opfer in Bad Schönborn
 
Es sei gute Tradition in Bad Schönborn, am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung von Ausschwitz, den Opfern des NS-Regimes zu gedenken, und er freue sich über die vielen jüngeren Teilnehmer, „damit die Erinnerung lebendig bleibt“, so Bürgermeisterstellvertreter Bernhard Steltz. Der weltweite Holocaust-Gedenktag ist in Bad Schönborn mit einem Etappenweg verbunden, der an der Marum-Säule vor Schloss Kislau beginnt. Hier stellte die SPD-Gemeinderätin Susanne Matthias fest: „Fast 80 Jahre nach dem Holocaust reicht Gedenken alleine nicht mehr.“ Sie verwies auf den „Lernort Kislau“, wo „aus Geschichte Demokratie gelernt und der Gleichgültigkeitstrend überwunden werden“ kann. An der zweiten Station, den Stolpersteinen in der Leopoldstraße, erinnerte Luise Helm, Pfarrerin der evangelischen Kirche Bad Schönborn-Kronau, an die aus Langenbrückener und Mingolsheimer, die deportiert und getötet wurden, aber auch an die, denen nach der Emigration geholfen wurde. An der, nicht mehr zugänglichen, Synagoge in der Friedrichstraße wünschte sich die Pfarrerin, sie möge „ein Stein des Anstoßes sein, ein Grundstein, auf dem Neues entstehen“ könne. An der letzten Station, der „Allee der Gerechtigkeit“ vor dem jüdischen Friedhof pflanzten die Konfirmanden zwei Apfelbäumchen. Der „Brettacher Apfel“ ergänzt als siebtes Paar die verschiedene Baumarten, die sich aneinanderreihen und die Vielfalt widerspiegeln, erklärte Gerhard Bender, Mitinitiator des Bad Schönborner Aktionsbündnisses „Zeichen setzen“. Mit dem neuen Zugang von der Friedrich-Silcher-Straße werde die Allee nun auch als solche wahrgenommen, erklärte er. Pfarrerin Helm ergänzte, der Apfelbaum sei der Hoffnungsbaum. „Worte mögen Apfelblüten sein, aus denen Gerechtigkeit und Kommunikation für unsere Zusammenleben als Früchte entstehen“, verwies sie auf das Jahresthema „sprECHT“ von „Zeichen setzen“. Bürgermeister Klaus Detlev Huge forderte gemäß diesem Motto auf „Sprecht echt miteinander, für ein gutes Miteinander“. Im Anschluss führten drei Impulsvorträge im Edith-Stein-Haus mit der Überschrift „Klang der Sprache“ das diesjährige „Zeichen setzen“-Thema fort. Uta Schäfer, Pastorin i. R., beschäftigte sich unter anderem mit der Feststellung „Man kann nicht nicht kommunizieren“ des Wissenschaftlers Paul Watzlawick. Diakon und Menschenrechtspädagoge Tillmann Häfner referierte über den Zusammenhang zwischen Sprache und Erinnern, und die Aramäerin Sandra Kakuni aus dem Irak blickte als Mehrsprachlerin „auf die alltägliche Kommunikation in deutscher Sprache“. Mit freundlicher Genehmigung der BNN. Bad Schönborn (psp)