Gemeindenachricht

Tanzen und Walking gegen Demenz
Zweiter Bad Schönborner Demenz-Tag mit Fachvorträgen, Testparcours und Beratungsstellen


„Alle mal aufstehen, Knie hoch ziehen und - wer kann - linke Hand zum rechten Knie und umgekehrt“, forderte Alexander Woll die Besucher auf und brachte schon zu Beginn seines Vortrags Bewegung in die Aula der Sankt Rochus Kliniken in Mingolsheim. Denn „Sport und Bewegung gegen Demenz“ lautete das Thema, über das der Sportprofessor und Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beim zweiten Bad Schönborner Demenztag referierte. Klinik und KIT, die AOK und die Bädergemeinde gehören zu der, im vergangenen Jahr geschlossenen, „Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz“, die gemeinsam für diese Veranstaltung am Weltdemenztag verantwortlich zeichnete. 1,6 Millionen an den verschiedenen Formen der Demenz Erkrankte gebe es derzeit in Deutschland informierte Jutta Keller, Diplom-Psychologin an den Sankt Rochus Klinken, wobei die Alzheimer Demenz rund zwei Drittel der Fälle ausmache, ergänzte Woll. Und: „je älter wir werden, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit an Demenz zu erkranken.“ Wichtig sei, die Demenz aus der Tabuzone herauszuholen und über Prävention, Behandlung und den Umgang mit Erkrankten zu sprechen, aber auch Betroffene und deren Angehörige zu unterstützen, erklärte Gerontologin Gabi Klisch von der AOK Mittlerer Oberrhein. Sie wies auf das neue Pflegestärkungsgesetz hin, nachdem nun auch Demenzkranke Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben. Christian Busche, Geschäftsführer der Sank Rochus Kliniken, sprach über spezielle Programme, die die CTS-Kliniken vor allem für pflegende Angehörige anbieten. Dass Konzentrationsprobleme und fehlende Worte Hinweise auf eine beginnende Demenz sein können, führte Frau Mattern aus. Sie empfahl eine frühzeitige Diagnose und Beratung zum Beispiel in einer Gedächtnisambulanz in Heidelberg oder Karlsruhe. Depressionen, Rauchen und Übergewicht gehörten zu den Risikofaktoren für Demenz, so die Psychologin weiter. Schon eine moderater Spaziergang, vorzugsweise an der frischen Luft und in der Natur, erhöhe die Durchblutung des Gehirns um bis zu 20 Prozent, erklärte Alexander Woll. Regelmäßige Bewegung helfe nicht nur dem Gehirn, sondern wirke auch dem Demenzrisiko entgegen. Individuell angepasste Trainingsangebote verbesserten sowohl die körperlichen, als auch die geistigen Fähigkeiten und führten zu einer Steigerung der Lebensqualität. Woll führte eine aktuell vom IfSS durchgeführte Studie an, bei der mit 400 leicht bis mittelschwer an Demenz erkrankten Personen in Altenpflegeheimen über vier Monate zweimal wöchentlich eine Stunde lang Kraft, Koordination, Gleichgewicht, Beweglichkeit und Ausdauer verbunden mit kleinen Denkaufgaben trainiert wurden. Die vorläufigen, überaus positiven Auswirkungen hätten sogar ihn überrascht, berichtete er. Seine Empfehlung: Das Gehirn ist nichts anderes als ein Muskel, der trainiert werden kann. Und: „Bewegung ist in allen Stadien der Demenz vorteilhaft“. Tanzen und Walking seien gute Präventionsmöglichkeiten. Eine Heilung gebe es zwar nicht, aber man könne das Auftreten verzögern. Bürgermeister Klaus Detlev Huge wies auf das Angebot der Gemeinde im neuen Sole-Aktiv-Park hin, wo in Kooperation mit dem KIT ein Bewegungsparcours entstanden ist.
 
Info:
Beratung und Unterstützung sowohl für Betroffene als auch für Angehörige und Betreuende gibt es zum Beispiel beim Pflegestützpunkt des Landkreises Karlsruhe. Infos über Sprechzeiten in Bruchsal und Bad Schönborn gibt es unter Telefon (0 72 51) 79-199

Mit freundlicher Genehmigung der BNN