Gemeindenachricht

Bewegte Geschichte in Schildern verewigt


Meist läuft man achtlos an ihnen vorüber: Den alten Gebäuden und Plätzen, die so viel Geschichte zu erzählen haben. Das ist ab jetzt anders: Elf historische Schilder erinnern nun an die Ereignisse, die sich an dem jeweiligen Ort abgespielt haben und laden zum Verweilen ein. „Für mich ist nicht nur die Frage wichtig, wohin entwickelt sich Bad Schönborn, sondern auch, wo kommen wir her. Das ist heute ein großer Schritt für Langenbrücken“, sagte Bürgermeister Klaus Detlev Huge bei der Einweihung der Schilder im Kurpark. „Unser Ort hat viel zu bieten, das wollen wir hiermit in Wert setzen“, schloss Klaus Heinzmann, Leiter der Tourist-Information, an die Rede an. „Nach über einem Jahr Arbeit können wir stolz auf das Ergebnis sein.“

Die Beschilderung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Arbeitskreises Ortsgeschichte, der Tourist Information und der Gemeinde, welche die Schilder mit jeweils 2000 Euro für jeden Teilort finanziert. „Die Vermittlung der Ortsgeschichte, von der früher wenig bekannt war, ist ein fortwährender Prozess“, sagte Rudolf Schmich, der die Texte für die Schilder verfasst hat und die Besucher nach der Einweihung im Kurpark eine Stunde durch die Ortsgeschichte und zu fünf der Schilder-Stationen führte.
Der Kurpark mit seiner bewegten Bädergeschichte, die 1766  mit dem Erwerb einiger Schwefelquellen durch den Speyerer Fürstbischof Franz Christoph von Hutten seinen Anfang nahm, hat gleich vier Schilder erhalten. Eines am 1824/25 erbauten Kurhaus mit seinem historischen Kursaal, weitere am Badehaus, der Trinkhalle und am Kurhaus Sigel. „Die zweite große Blüte hier folgte im Jahr 1824, nachdem Franz Peter Sigel das Bad erworben hatte, weitere Gebäude kaufte und das Gelände als englischen Landschaftspark gestaltete“, erzählt Schmich. Nächster Halt ist die 1832 erbaute Großherzogliche Curapotheke. Schmich: „1843 erlangte Apotheker Tschammerhell hier das „Realprivilegium“, also das Vorrecht, dass im Umkreis von drei Stunden keine weitere Apotheke erbaut werden durfte.“ Berühmt ist die Apotheke außerdem durch Erfindergatin Bertha Benz, die hier bei ihrer ersten Automobilfahrt tankte. Über den Brückenheiligen St. Johann von Nepomuk bei der St. Vituskirche an der B3 erfährt man, dass er auf Befehl des Königs von der Brücke gestürzt und in der Moldau ertränkt wurde.

Spannend auch die Geschichte des Alten Rathauses, das 450 Jahre Zoll- und Geleitstation war. Die Führung Schmichs endet am Niederbronn-les-Bains-Platz: „Die historischen Gebäude, wie die ehemalige Zehnscheune und das Gasthaus „Zum Kreuz“, die man hier auf den Fotografien des Schildes sehen kann, wurden leider abgerissen. Heute stehen an der Stelle das neue Rathaus und die Kraichgauhalle.“
Weitere Schilder befinden sich an der Grundschule, an der evangelischen Kirche und am Bahnhof. Alle Schilder haben einen QR-Code, über den man nach Einscannung am Handy weitere historische Hintergrund-Informationen erhalten kann.

Die Gesamtkoordination oblag Klaus Heinzmann, Leiter der Tourist-Information. Die historischen Fotos stammen von Otto W. Meid, Ernst Kohl und Werner Jähnke, die Graphik von Monika Cappiello; die Anfertigung der Schilder übernahm die Firma Ries in Bruchsal und die ansprechende Stahlkonstruktion die Schlosserei Rika aus Bad Schönborn.
Im kommenden Jahr soll auch Mingolsheim mit elf Schildern ausgestattet werden. Danach wird in beiden Orten eine zweite Welle an Beschilderungen folgen.

Mit freundlicher Genehmigung der BNN