Gemeindenachricht

„Schicksal der ganzen Familie“ Sechs Stolpersteine erinnern und mahnen in Bad Schönborn


Sorgfältig passt Gunter Demnig den Steinquader in die vorher ausgehobene Öffnung auf dem Gehweg in der Langenbrückener Dammstraße ein. Hier im Haus mit der Nummer 2 lebte die 1888 geborene Selma Isaac mit ihren Eltern. So lange bis sie 1940 von hier weg ins Lager Gurs und zwei Jahre später nach Auschwitz gebracht wurde, wo ihr Leben in der Gaskammer endete. Die Inschrift der Messingplatte auf dem Pflasterstein erinnert nun an sie, die mit 54 Jahren sterben musste. Der Kölner Künstler Demnig initiierte das europaweite Projekt „Stolpersteine“, das in Bad Schönborn von einer gleichnamigen Initiative unterstützt wird. Demnig verlegt an diesem sonnigen Montagnachmittag noch fünf weitere Stolpersteine – einen in Mingolsheim in der Bruchsaler Straße 11 für Franziska Moses, geboren 1878, deportiert 1940, gestorben 1943 im Lager Noé und in der Leopoldstraße 11 jeweils einen für Julius, Emma und Elsa Falk, die 1942 in Auschwitz und Récébédou sterben mussten. Ein weiterer Stein erinnert an Herbert Falk, den 1931 in Mingolsheim geborenen Sohn von Julius, der mit seiner Großmutter und seinem Onkel im Alter von sieben Jahren in die USA auswanderte und dort noch heute lebt. Mit Sofie Harling, Regina Brüsewitz, Laura Rachor und Nora Willhauck-Fleckenstein verlesen an jedem Stolpersteinort junge Bad Schönbornerinnen die Biographien der NS-Regime-Opfer und machen so bewusst, dass es „nicht nur das Schicksal des einzelnen Menschen hinter dem Namen“ ist, sondern das Schicksal der ganzen Familie, die durch die Gewaltherrschaft der Nazis ihre Heimat, ihren Besitz, ihr Leben, ihren Namen verloren und fast vernichtet wurden“, wie Angelika Meßmer von der Bad Schönborner Initiative es formulierte. Die einfühlsame musikalische Begleitung durch Jutta Fischer und Sofie Harling draußen auf der Straße sowie Eike Schmidt-Lange und Uta Schäfer beim Abschluss im Sitzungssaal des Mingolsheimer Rathauses unterstreicht die würdevolle Zeremonie der Stolpersteinverlegung. Eine Zeremonie, die ihn stolz mache, so Bürgermeister Klaus Detlev Huge, weil sie durch eine Initiative aus der Bürgerschaft ermöglicht wurde und daran erinnere, „was vor 75 Jahren in Deutschland von Deutschen an Deutschen geschehen ist“. Wie Hans-Georg Schmitz, Sprecher der Initiative, sei auch er dankbar, dass so viele Menschen, auch jüngeren Alters, diese Aktion begleitet haben. „Nur wenn wir wissen, was in der Vergangenheit geschehen ist, haben wir Orientierung für die Zukunft“, so Huge zum Abschluss.

Weitere Informationen auch für Spenden zur Fortführung des Projektes im Netz unter: www.stolpersteine-badschoenborn.de

Mit freundlicher Genehmigung der BNN. Bad Schönborn (psp)