Gemeindenachricht

„Net jammere un auch mit dem Kopf schaffe, net nur mit Händ un Fieß“


Maria Knebel feierte am Montag ihren 103. Geburtstag. Bürgermeister Huge gratulierte der Jubilarin zu diesem großen Ereignis und wünschte ihr weiterhin so viel Spaß am Leben und vor allem Gesundheit.
 
Als der Erste Weltkrieg zu Ende ging, war sie drei Jahre alt. Als der Zweite Weltkrieg begann, war sie verheiratet und Mutter eines Sohnes – Maria Knebel wurde am 5. März 1915 geboren und ist 103 Jahre alt! War sie noch vor zwei Jahren die älteste Einwohnerin von Ubstadt-Weiher, ist sie es jetzt in Bad Schönborn, denn Ende 2016 zog sie von Zeutern ins Seniorenstift nach Langenbrücken. Auch wenn das Gehör nicht mehr so gut funktioniert, ist die Jubilarin topfit. Sie legt Wert auf ein gepflegtes Äußeres, liest jeden Tag die BNN, macht Kreuzworträtsel, schaut Fernsehsendungen mit Untertiteln, geht gerne im Park des Seniorenstifts spazieren und in Kronau ins Café. Mit ihrer Heimatgemeinde Kronau, wo sie als viertes von sechs Kindern geboren wurde und aufgewachsen ist, ist sie nach wie vor herzlich verbunden. Gerne erzählt sie von ihrer Kindheit, von ihrem Vater Simon Hees, der Elektriker beim Badenwerk war und ihrer Mutter Lina, die als Hebamme oft unterwegs sein musste, weshalb Maria und ihre Geschwister früh selbständig gewesen seien. Sie erinnert sich noch gut an die Zeit, als sie im Dorf die einzige Familie waren, die ein Telefon hatte und dass sie als Kinder oft diesen Apparat für die Leute bedienten, die Telefonate, zum Beispiel zum Arzt, führen mussten. 1938 heiratete sie Albert Knebel, ein Jahr später kam Sohn Simon zur Welt. Ihr war nur ein kurzes Eheglück vergönnt, denn ihr Mann wurde 1943 als vermisst gemeldet und blieb im Krieg. Sie zog ihren Sohn alleine große, arbeitete in der Zigarrenfabrik, später im Rathaus in Kronau und baute ein Haus. 1981 zog sie zu ihrem Lebensgefährten Walter Thome nach Zeutern, wo sie auch nach dessen Tod 1994 blieb. Ein schwerer Schicksalsschlag traf sie 2003 als ihr Sohn 64-jährig starb. „Nicht unterkriegen lassen und net jammere“ ist die Maxime von Maria Knebel, und sie hört ihre Mutter heute noch sagen: „Wenn’d jammerschd wird’s ah net besser“. Bis zu ihrem 101. Geburtstag führte sie ihren Haushalt, inklusive waschen und bügeln, komplett alleine und versorgte ihren Garten. Nach einem Sturz vor eineinhalb Jahren siedelte sie dann ins Seniorenstift über. Noch heute – mit 103 Jahren – rezitiert Maria Knebel Gedichte, Lieder und Gebete mit vielen Strophen komplett auswendig. „Auch mit dem Kopf schaffe, net nur mit Händ und Fieß“ und „sich net geh losse“, daran habe sie sich immer gehalten. Sie sei mit ihrem Leben zufrieden, „so wie es war“. Maria Knebel ist stolz auf ihre fünf Enkel, von denen einer bereits verstorben ist, sieben Ur-Enkel und zwei Ur-Ur-Enkel. Mit ihnen und deren Familien feierte sie ihren besonderen Geburtstag. Mit freundlicher Genehmigung der BNN. Kronau/Zeutern/Langenbrücken (psp)