Gemeindenachricht

Auftakt des Aktionsbündnisses Zeichen setzen und Holocaust-Gedenken in Bad Schönborn für Demokratie und Menschenrechte


„Ihr seht, wie unsere Gedanken am Baum wachsen“.
Mit diesen Worten schloss Luise Helm, Pfarrerin der evangelischen Kirche Bad Schönborn-Kronau, die Impulsveranstaltung zum Auftakt des „Zeichen setzen-Jahres 2018“. Der erste Impuls erfolgte in der Michael-Ende-Gemeinschaftsschule mit Schülern aller Klassen sowie Schülern der Franz-Josef-Mone-Schule. Im Unterricht hatten sie Wünsche und Gedanken zum diesjährigen Thema „einfach MENSCH-lich“ gesammelt und aufgeschrieben. Gedanken wie „jeden Menschen so akzeptieren wie er ist“, „Freundschaft überall auf der Welt“, „niemand soll Hunger leiden“ oder „Frieden auf der Welt und Wertschätzung aller Lebewesen“. Luise Helm und Gerhard Bender, die Mitinitiatoren von „Zeichen setzen“ berichteten über die Entstehung dieses Aktionsbündnisses von Kirchen, Schulen und Gemeinde vor sechs Jahren und die jährlichen Schwerpunktthemen. Gemeinsam marschierten sie anschließend zur Ohrenberghalle, wo bereits die Grundschüler warteten. Mit dem Lied „Aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander umzugehen und uns nicht entfernen, wenn wir etwas nicht verstehen“ hatten die Drittklässler das Thema vorbereitet, und es wurde von allen zusammen gesungen. „Genau darum geht es dieses Jahr“, betonte Luise Helm. „Den anderen wahrnehmen, egal wie er aussieht, einfach Mensch sein und damit Zeichen setzen“, ergänzte Gerhard Bender den Schwerpunkt. Zum dritten Impuls trafen sich alle am Rathaus in Mingolsheim, wo sie bereits von Bürgermeister Klaus Detlev Huge erwartet wurden. Hier konnten die Kinder und Jugendlichen ihre Wunschzettel an zwei Bäumen befestigen. Diese Bäume – Bienenweiden – ergänzten am nächsten Tag die bereits seit 2012 wachsende Allee des Friedens und der Gerechtigkeit vor dem jüdischen Friedhof. Diese Pflanzaktion im Anschluss an die Kranzniederlegung an der Friedhofsmauer ist traditionell die letzte Station des Etappenweges am internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Bad Schönborn. Der Weg des Gedenkens begann wie immer an der Marum-Säule vor Schloss Kislau, wo zunächst Bürgermeister Huge an die Zeit erinnerte, in der Kislau als KZ für politisch Verfolgte diente. Er sei froh, wie Bad Schönborn „als kleiner Ort an Demokratie und Menschenrechte erinnert“ und für die Zukunft mahne. SPD-Gemeinderätin Angelika Messmer betonte, es brauche „sozialen Mut und aktiven Anstand, damit wir Antisemitismus in jeglicher Form benennen und entschlossen bekämpfen“. Zwei weitere Stationen waren die Stolpersteine in der Leopoldstraße und die ehemalige Synagoge an der Friedrichstraße, wo der Sprecher der Initiative Stolpersteine, Hans-Georg Schmitz, die deportierten und ermordeten Mingolsheimer und Langenbrückener ins Gedächtnis rief. Der Holocaust-Gedenktag endete mit einer bewegenden Lesung aus Briefen des Ehepaares Ludwig und Johanna Marum, während Ludwigs Inhaftierung in Karlsruhe und Kislau, gelesen von der Enkelin Andrée Fischer-Marum. Sie zeigte sich beeindruckt von der Gestaltung des Tages in Bad Schönborn und appellierte eindringlich: „Es hat es schon mal gegeben, passt auf dass es nicht wieder passiert.“ Mit freundlicher Genehmigung der BNN. Bad Schönborn (psp)