Gemeindenachricht

Bürgermeister Blog


Liebe Bad Schönbornerinnen, liebe Bad Schönborner,

in diesen Tagen scheint es eine Häufung von 85. Geburtstag zu geben. Besuchstermine, die ich sehr gerne wahrnehme, weil die Geburtstagskinder aus einer so reichen Lebenserfahrung erzählen können. Von wirklich harten Zeiten und Not, von Hunger, Flucht und Vertreibung, von Entwurzelung und Neubeginn, von einer freundlichen Aufnahme hier – aber auch von Fällen harter Ablehnung. Zeiten und Lebensbedingungen, die wir uns in unserem satten Wohlstand kaum noch vorstellen können.

Ich ermuntere die Älteren immer sehr, ihren Enkeln und Urenkeln diese Lebens- und Familiengeschichten weiterzuerzählen, damit die Erinnerung nicht verloren geht. Aber auch, damit die Jüngeren einen Vergleich ziehen können, wie verwöhnt wir mit unseren Lebensbedingungen heute sind. Herzlichen Dank von hier aus an alle meine Gesprächspartner(innen) der letzten Wochen! Der Einsatz dieser Generation ist es, die auf der Basis von enormen Fleiß und viel Entbehrung und mit engem Zusammenhalt der Familien und Nachbarschaften den Wohlstand in Nachkriegsdeutschland erschaffen haben, von dem wir alle bis heute profitieren.

Und dieser Wohlstand schafft nicht nur Freude, sondern zum Beispiel mit dem stetig wachsenden Verkehrsaufkommen neue Probleme: Ideen und Lösungsstrategien dazu standen am Montag im Mittelpunkt des Fachgesprächs Verkehr beim Leitbildprozess Bad Schönborn 2030. Für über 50 interessierte Mitdiskutanten ging es um Fuß- und Radverkehr, Verkehrssicherheit, ÖPNV und PKW-Verkehr innerorts, um Lärm und Raserei wie um das Dauerthema Umgehungsstraße. Vom Landkreis, der sich mittlerweile seit über 40 Jahren an dem Projekt versucht, ist aktuell keine Aktivität geplant, um es aus seiner Sackgasse heraus zu manövrieren. Absehbar hohe Planungskosten, keine gesicherten Zuschüsse und die Umstrittenheit der bisherigen Planungen sind die Gründe für den Stillstand. Ich bin der Meinung, dass die Verkehrsbelastung an der B 3, insbesondere der hohe LKW Anteil in Mingolsheim nicht tatenlos hingenommen werden dürfen. Von den kleinen Schritten zu mehr Sicherheit an der B 3, die ich versprochen hatte, haben wir vieles geschafft, was vor Jahren noch unmöglich schien. Aber wirklich eine Entlastung kommt erst mit einer Umgehungsstraße. Deshalb habe ich sowohl dem Landrat wie dem Landesverkehrsministerium eine Trassenskizze vorgelegt, die im Verlauf zwischen Mingolsheim und Kronau westlich des Kraichbachs liegt. Diese Streckenführung ist verkehrlich wirksam, um Mingolsheim zu entlasten und sie schafft nicht die Probleme im Bereich Kislau oder Langenbrücken, die die alte Trasse so schwierig macht. Der Gemeinderat berät sich noch, ob wir mit diesem Vorschlag (möglichst einmütig) auch offiziell an den Landkreis und das Land herantreten sollen.

Eine der Anregungen aus dem Fachgespräch Verkehr war es, ein Gesamtverkehrskonzept zu erarbeiten, das den Blick über die hochbelastete B 3 hinaus auch auf andere Problemstellen im Verkehrsnetz der Gemeinde richtet. Sicherlich ein prüfenswerter Hinweis, über den der Gemeinderat mit dem Schlussbericht zum Leitbildprozess entscheiden muss.
 
Ich wünsche Ihnen sichere Wege durch unsere schöne Gemeinde – und empfehle besonders das Lärm arme „zu Fuß gehen“ als auch noch gesundheitsförderndes Verkehrsmittel.
 
Ihr
 
Klaus Detlev Huge
Bürgermeister